Pressemitteilung 10. Oktober 2014

Auf dem Weg zur optimierten Brustkrebstherapie
Genexpressionstest ermöglicht vielen Frauen personalisierte Behandlung ohne Chemotherapie

Drei Jahre nach Abschluss der planB-Studie der Westdeutschen Studiengruppe (WSG) belegen die 3-Jahres-Überlebensdaten eindrücklich, dass Brustkrebspatientinnen mit niedrigem genomischem Risiko auf eine Chemotherapie verzichten können. Die Zwischenergebnisse der vor zwei Jahren angelaufenen Nachfolgestudie ADAPT lassen sogar hoffen, dass ein noch höherer Anteil der behandelten Frauen von einer Chemotherapie absehen kann, ohne die Heilungschancen zu vermindern.

München, den 10.10.2014: Im Rahmen der plan-B-Studie konnte zirka 340 Patientinnen und damit 20% der registrierten Studienteilnehmerinnen  mit hormonempfindlichem Brustkrebs die Chemotherapie erspart werden. Und das, obwohl die Frauen gemäß den klassischen Prognosefaktoren Tumorgröße, Lymphknotenbefall und Grading typische Chemotherapie-Kandidatinnen gewesen wären. Dem Ergebnis des Genexpressionstests Oncotype DX® nach waren sie jedoch der Niedrigrisikogruppe zuzuordnen.

Über- und Untertherapie vermeiden
„Durch neue Testmethoden können wir unsere Therapiekonzepte heute der Tumorbiologie jeder einzelnen Patientin anpassen und so Über- aber auch Untertherapie vermeiden“, erläutert Frau Univ.-Prof. Dr. med. Nadia Harbeck, Leiterin des Brustzentrums der Universität München und W2-Professorin für Konservative Onkologie an der Frauenklinik der Universität München (LMU).
In der Niedrigrisikogruppe liegt das 3-Jahres Überleben ohne Rezidiv bei ca. 98%. Das schließt den theoretischen Nutzen einer vorbeugenden  Chemotherapie in dieser Patientinnengruppe mit hoher Wahrscheinlichkeit aus. Das tatsächliche Restrisiko für diese Gruppe ist signifikant niedriger als das der Patientinnen, die aufgrund ihres hohen genomischen Risikos nach Oncotype DX® eine vorbeugende Chemotherapie erhalten haben.

Prof. Harbeck: „Wir haben in der planB-Studie erstmalig in Deutschland auf eine vorbeugende Chemotherapie bei Patientinnen mit bis zu drei befallenen Lymphknoten verzichtet. Die ersten Überlebensdaten bei Patientinnen mit niedrigem genomischem Risiko geben uns Recht und ermutigen uns, in diese Richtung weiter zu gehen.“

In der Nachfolgestudie deutlich weniger Chemotherapien als erwartet
Im Fokus der ADAPT-Studie stehen nach den guten Ergebnissen der planB-Studie jene 60% der Patientinnen, die aufgrund des Oncotype DX® Ergebnisses einem mittleren genomischen Risiko zugeordnet werden. In dieser Gruppe ist der Nutzen einer vorbeugenden Chemotherapie wahrscheinlich sehr gering.

Nach Auswertung der Daten der ersten 400 behandelten Patientinnen konnte die WSG feststellen, dass durch die Kombination der Informationen aus genomischem Risiko und individuellem Ansprechen auf die Antihormontherapie fast 65% der Frauen keine Chemotherapie benötigen. Das sind gut 20% mehr Frauen als bei der Planung der Studie geschätzt wurde. Sollten sich diese Zahlen im weiteren Verlauf der Studie bestätigen, so stellt das ADAPT-Konzept womöglich einen Durchbruch bei der personalisierten Behandlung von Brustkrebs im Frühstadium dar. 

In der WSG-ADAPT-Studie können sich zwei Patientinnengruppen gegen die Chemotherapie entscheiden: einerseits diejenigen  mit niedrigem genomischem Risiko, andererseits aber auch solche, die zwar ein mittleres Risiko aufweisen, aber gut auf eine kurze Antihormontherapie ansprechen, die vor der Operation getestet wird. Das Ansprechen auf die Antihormontherapie wird anhand der Messung der Zellteilungsrate vor und nach der kurzen präoperativen Therapiephase in einem zentralen Labor untersucht.

Bei Frauen mit HER2-positivem Brustkrebs werden in der WSG-ADAPT Studie vielversprechende neue anti-HER2 Medikamente geprüft, die den Patientinnen helfen sollen, die klassische nebenwirkungsreiche Chemotherapie durch neuartige zielgerichtete Therapien wie T-DM1 oder durch die alleinige Kombination moderner Antikörpertherapien (Trastuzumab und Pertuzumab)  zu vermeiden.

An der WSG-ADAPT Studie nahmen in den letzten zwei Jahren an über 80  Brustzentren in Deutschland mehr als 2.300 Patientinnen teil. Noch etwa ein Jahr lang werden Patientinnen in die Studie aufgenommen.

PD Dr. Michael Braun, Koordinator der Hauptabteilung Gynäkologie und Leitender Arzt der Abteilung für Senologie/Brustzentrum des Rotkreuzklinikums München hat bereits viele Patientinnen in die Studie integriert und ist hoch zufrieden mit den Ergebnissen: „Allein in München konnten an den beiden Studienzentren LMU und bei uns am Rotkreuzklinikum über 160 Patientinnen behandelt werden, von denen wir über 90 Patientinnen eine Chemotherapie ersparen konnten.“

 
   
  
 
Pressemitteilung 11. August 2014

Die richtige Therapie für jede einzelne Patientin finden
Dr. Oleg Gluz, Oberarzt am Brustzentrum Niederrhein und wissenschaftlicher Koordinator der Westdeutsche Studiengruppe (WSG) wurde erneut von der amerikanischen Krebsgesellschaft für Forschungen zur individualisierten Therapieentscheidung bei Patientinnen mit Brustkrebs ausgezeichnet.

Chicago/Mönchengladbach: Immer wieder schauen die Krebsforscher der ganzen Welt auf Mönchengladbach. Die Studien der Westdeutschen Studiengruppe (WSG), die ihren Sitz am evangelischen Bethesda-Krankenhaus hat , ernten weltweites Interesse und zum zweiten Mal in Folge wurde der dortige Oberarzt, Dr. Oleg Gluz, mit dem begehrten ASCO Merit Award der Amerikanischen Krebsgesellschaft für Arbeiten mit herausragender wissenschaftlicher Bedeutung ausgezeichnet.

Kein Wunder, denn dem Team um Frau Professor Dr. Ulrike Nitz, Chefärztin der Senologie am Bethesda-Krankenhaus in Mönchenglach gelingt es, die Therapien gegen Tumore der Brust immer individueller auf die betroffene Patientin zuzuschneiden. „Wir vermuten, dass man in absehbarer Zukunft in 60 bis 70 Prozent der Fälle von hormonsensiblem Brustkrebs auf eine Chemotherapie verzichten kann“, sagt sie. Ein Lichtblick, denn „die Chemo“ ist eine echter Therapie-Hammer und muss bislang vorbeugend meist über ein halbes Jahr verabreicht werden. Der weithin sichtbare Haarausfall ist eine der harmloseren Nebenwirklungen. Übelkeit, Müdigkeit, Fieber, Immunschwäche, Verlust der Fruchtbarkeit, Durchfälle, Entzündungen und Gedächtnisschwächen beeinträchtigen die Patientinnen in manchen Fällen so stark, dass sie erwerbsunfähig werden. „Die Chemo ist ein sehr großer Gewinn für viele Patientinnen und wir lernen in den letzten Jahren sie immer gezielter einzusetzen“ so Professor Nitz.

Im Jahr 2013 wurde der 33-Jährige Gluz mit dem gleichen Preis für die Forschungen der WSG zum hormonsensiblen Brustkrebs ausgezeichnet, der 80 Prozent aller auftretenden Fälle ausmacht. Mithilfe eines zusätzlich zu den Standardtests durchgeführten genetischen Fingerabdrucks vom Tumor konnten 20 Prozent mehr Patientinnen mit einer Niedrig-Risikosituation identifiziert werden. „Jetzt kann man die Therapien besser auf die Patientin abstimmen“, fasst er das Ergebnis zusammen, „bei vielen Patientinnen des Brustzentrum Niederrhein konnte auf eine vorbeugende Chemo verzichtet werden.“

Einen unverzichtbaren Vorteil bringt die Chemo bei Patientinnen, die von einem hochaggressiven Tumor mit dem Brustkrebsgens BRCA1 befallen sind. Diese Frauen entscheiden sich heute häufig dafür sich die Brüste abnehmen lassen, um das Erkrankungsrisiko zu senken. „Nach dem Presseecho auf Angelina Jolie im vergangenen Jahr, haben wir auch in Mönchengladbach viele dieser Operationen durchgeführt“ so Prof Nitz vom Brustzentrum Niederrhein. Die amerikanische Schauspielerin ist erblich vorbelastet, ihre Mutter starb früh an Brustkrebs, und sie hat auf diese Weise ihr Erkrankungsrisiko von 87 auf fünf Prozent gesenkt. „Frauen mit diesem Karzinom sprechen sehr gut auf eine höher dosierte Chemotherapie an, die jedoch kürzer verabreicht werden kann“, sagt Gluz über das Ergebnis seiner Forschungsarbeit, für die er in diesem Jahr bei der 50. Jahrestagung der Amerikanischen Krebsgesellschaft ausgezeichnet wurde. „Dann ist die Wirkung optimal und die Nebenwirkungen stehen in gutem Verhältnis zum Nutzen.“ Er erhielt den Preis zusammen mit Philip Schouten vom Nationalen Krebsinstitut der Niederlande in Amsterdam, mit dem die WSG die Studie gemeinsam durchgeführt hat.

Diese Ergebnisse beider Arbeiten sind eingeflossen in das Design der bundesweit durchgeführten ADAPT Studie ein, die die wissenschaftlichen Köpfe der WSG konzipiert haben und an der bundesweit bereits mehr als 2000 Patientinnen teilnehmen. Hiervon erwartet man einen weiteren Meilenstein bei den Bemühungen um eine individualisierte Medizin mit personalisierten Therapien. „Wir kommen unserem Ziel immer näher“, freut sich Nitz, die die ersten Ergebnisse ebenfalls auf dem Kongress in Amerika vorgestellt hat. „Bald muss man Chemo-Therapien nicht mehr mit der Gießkanne verabreichen.“

Allgemeine Informationen

Brustkrebs

Brustkrebs stellt mit 74.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung bei Frauen dar.

Zirka 40 Prozent der Patientinnen mit frühem Brustkrebs werden mit einer vorbeugenden (adjuvanten) Chemotherapie behandelt. Trotz der vielen Fortschritte bei der Diagnostik und Therapie wird jedoch angenommen, dass ein Großteil aller Frauen mit dem hormonempfindlichen Brustkrebs dabei einer nicht notwendigen Chemotherapie unterzogen werden, da die Risikoeinschätzung anhand der klinischen Faktoren (wie Lymphknotenbefall, Tumorgröße, Grading) zu ungenau ist. In dieser Gruppe wird vor allem der Antihormontherapie eine sehr hohe Wirksamkeit beigemessen. Zurzeit wird diese jedoch ohne spezifische Selektion allen Frauen für die Dauer von 5-10 Jahren empfohlen.

WSG und personalisierte Medizin

Die WSG ist eine nationale akademische Forschungsgruppe, angesiedelt unter anderem am Brustzenturm Niederrhein, die sich der Idee der individualisierten Medizin seit Jahren verpflichtet hat.  Unter der Federführung der Studienleiter der WSG wurden schon mehrere Studien mit über 10.000 Patientinnen allein in Deutschland zum Einsatz von modernen Prognosemarkern zur Chemotherapie-Ersparnis durchgeführt. Im Rahmen dieser Projekte konnte man  bisher lediglich ungefähr 20% der Patientinnen mit dem höheren klinischen Risiko eine Chemotherapie ersparen. Erstmals arbeitet die WSG im Rahmen der ADAPT Studie mit großen Krankenkassen zusammen, um die Anwendung der neuen Gensignaturen qualitätsgesichert zu gestalten und so evidenzbasiert den Weg in den klinischen Alltag vorzubereiten

Brustkrebs-Gene BRCA1 und 2

Frauen mit mehreren Fällen von Brust- oder Eierstockkrebs in der Familie können sich zur Vorsorge durch Mitarbeiter des Konsortiums für Brust- und Eierstockkrebs beraten lassen (kann ebenfalls am Brustzentrum Niederrhein erfolgen).

 
   
  
 
Pressekonferenz
In der Pressekonferenz zum Studienstart der ADAPT Studie am 27. März 2012 in Mönchengladbach stellen Frau Prof. Nitz (WSG), Herr Dr. Gluz (WSG) und Herr Jacobs (AOK) das Konzept der ADAPT Studie im Kontext der aktuellen Studienlandschaft vor und weisen auf die außerordentliche Bedeutung der Studie für die Patientinnen hin.
 
   
  
 
WSG PRESSEMITTEILUNG 27032012
ADAPT_PRÜFZENTREN_LISTE
ADAPT_PK_PRÄSENTATION
 
   
  
 
 
   
  
 
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